Der Uluru ist den Aborigines heilig – Besteigen ist ab sofort verboten

Heilige Stätte der Aborigines

Besteigen des Uluru in Australien ab sofort verboten

An Australiens Wahrzeichen Uluru gilt jetzt auf Bitten der Ureinwohner ein Kletterverbot. Zuvor gab es noch einmal großen Andrang.

Der Uluru, früher bekannt als „Ayers Rock“

Der Uluru, früher bekannt als „Ayers Rock“Foto: Reuters/Stefica Bikes

Auf Australiens bekanntestem Berg, dem Uluru, ist das Klettern ab sofort verboten. Der Aufstieg auf den 348 Meter hohen Felsen in der australischen Wüste wurde am Freitag um Punkt 16.00 Uhr Ortszeit (8.30 Uhr MESZ) gesperrt. Die Verwaltung des Nationalparks kam damit jahrzehntelangen Bitten der hiesigen Aborigines – den Anangu – nach. Für sie ist der rot schimmernde Berg heiliges Gelände. Wer gegen das Verbot verstößt, muss mindestens 630 australische Dollar (knapp 390 Euro) zahlen.

Ein wenig wie am Mount Everest: Touristen besteigen den Uluru.

Ein wenig wie am Mount Everest: Touristen besteigen den Uluru.Foto: Lukas Coch/ AAP Image/Reuters

Am Freitag ließen sich tausende Touristen die Chance nicht entgehen, ein letztes Mal auf den Felsen zu klettern. Auch am Nachmittag waren noch zahlreiche Menschen am Uluru unterwegs. Die Ranger des Nationalparks rechneten damit, dass erst am Abend die letzten Touristen unten sein werden. Am Wochenende soll es, zusammen mit Aborigines, eine Feierstunde zur Schließung geben. Nächste Woche wird dann die Kette abmontiert, an der man sich im Moment bislang nach oben hangeln konnte.

Bereits im November 2017 kündigte der Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark daher an, dass Touristen den roten Felsen ab Oktober 2019 nicht mehr besteigen dürfen. Nach Angaben der Verwaltung der australischen Nationalparks besuchten in den zwölf Monaten bis Juni 2019 mehr als 395.000 Menschen den Uluru und damit rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr.

13 Prozent der Besucher absolvierten die Klettertour auf den Felsen. Zum Vergleich: In der Anfangszeit des Uluru-Tourismus, in den 1950er-Jahren, waren es ein paar Hundert. Nach Alice Springs, in die nächste richtige Stadt, sind es 470 Kilometer.

Der Uluru – früher auch Ayers Rock genannt – ist trotz seiner bescheidenen Höhe gefährlich. Der Fels ist nicht nur steil, sondern auch extrem glatt. Mindestens 37 Menschen kamen im Lauf der vergangenen Jahrzehnte ums Leben. Zuletzt starb im Juli vergangenen Jahres ein 73 Jahre alter Japaner. Vergangene Woche stürzte ein zwölfjähriges Mädchen mehrere Meter nach unten.

Zuletzt baten die Anangu alle Besucher darum, freiwillig unten zu bleiben

Auch künftig können Besucher den Uluru aus nächster Nähe bestaunen. Verboten ist nur das Besteigen des Felsens, der eine der größten Touristenattraktionen Australiens ist. In dieser Größe und dieser Farbe gibt es einen solchen Berg nirgendwo sonst auf der Welt.

Dass das Verbot kommt, stand seit Herbst 2017 fest. Seither liefen die Vorbereitungen. In den vergangenen Jahren baten die Anangu alle Besucher darum, freiwillig unten zu bleiben. Viele hielten sich daran. Zehntausende machten sich trotzdem auf den anderthalb Kilometer langen Weg nach oben – oft genug in praller Sonne und oft auch mit etwas schlechtem Gewissen. Der 360-Grad-Rundumblick ins Outback war aber grandios.

Australien verbietet Klettertouren auf heiligem Uluru

Parkchef Sammy Wilson, selbst ein Anangu, begründet das Verbot so: „Der Uluru ist für uns ein extrem wichtiger Ort. Kein Spielplatz und auch kein Freizeitpark wie Disneyland.“ Wenn es nur das wäre: Trotz aller Schilder und Broschüren ließen Touristen haufenweise ihren Abfall liegen. Mangels Toiletten verrichteten manche auf dem Unesco-Weltkulturerbe auch ihre Notdurft.

Solche Zustände gehören nun bald der Vergangenheit an. Zuletzt war es aber noch schlimmer als sonst. In den vergangenen Wochen war am Uluru so viel los wie wahrscheinlich nie zuvor in seiner Existenz. In der Touristensiedlung Yulara – 18 Kilometer weiter, der einzigen halbwegs in der Nähe – waren die Hotels trotz horrender Preise ausgebucht. Auch der Campingplatz war komplett ausgebucht. An manchen Tagen sah es am Uluru so aus wie auf dem Foto vom Mount Everest, das im Frühjahr um die Welt ging: eine lange Schlange von Menschen, dicht an dicht. Wie eine riesige Ameisenstraße.

Auch unter den Aborigines sind nicht alle einer Meinung

Das Verbot ist umstritten. Viele finden es richtig, endlich den Bitten der Aborigines zu entsprechen. 700.000 Ureinwohner gibt es noch, die im Vergleich zu den restlichen 24 Millionen Australiern vielfach benachteiligt werden. Andere halten die Klettertour für so etwas wie ein Grundrecht für alle Bewohner des fünften Kontinents.

Auch unter den Aborigines sind nicht alle einer Meinung. Wenn man mit Jüngeren spricht, lautet die Antwort häufig: „Ist mir egal.“ Der Künstler Billy Cooley, Jahrgang 1952, sagt: „Ich hätte kein Problem damit, wenn der Berg offen bleibt. Die Leute kommen dazu aus aller Welt. Wenn sie heimlich klettern, dann gibt es noch mehr Unfälle.“

Auch von deutschen Besuchern gibt es unterschiedliche Töne. „Es ist respektlos, hier herzukommen, auf dem Uluru herumzutrampeln und ein Instagram-Foto zu machen“, sagt Sabrina Reisinger (25) aus der Nähe von Passau. „Das gehört sich nicht.“ Thomas Witt (57) meint: „Wenn da 500 Leute hochgehen, macht es auch nichts aus, wenn 501 Leute hochgehen.“ Andererseits: „Bei uns kann man auch nicht einfach den Kölner Dom hochklettern.“ Er bleibt letztlich ebenfalls unten.

Mit dem Kletterverbot enden fast anderthalb Jahrhunderte Geschichte: Der erste Weiße dort oben war wahrscheinlich 1873 der englische Entdecker William Goose. Er benannte ihn nach Sir Henry Ayers, einem ehemaligen Premierminister von South Australia. An diesem Wochenende soll es am Uluru eine feierliche Zeremonie geben, von Aborigines und Weißen gemeinsam. Sicherheitshalber wird auch die Polizei dabei sein. (dpa, AFP)

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/heilige-staette-der-aborigines-besteigen-des-uluru-in-australien-ab-sofort-verboten/25154098.html

 

2 Kommentare zu „Der Uluru ist den Aborigines heilig – Besteigen ist ab sofort verboten

  1. Es gehört sich wirklich nicht auf heiligen Stätten herumzutrampeln. Andererseits könnte eine geführte Art Wallfahrt für die eventuell kommenden Ausfälle im Touristikbereich ja möglich gemacht werden. Ein Mal jährlich.

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    1. Ja, es gehört sich nicht. Und man darf ja weiter dorthin, nur nicht mehr nach oben. Es gibt ja auch Einsichtige und Australien noch so viel mehr zu bieten. Es muss sich erstmal zeigen, ob es dadurch wirklich so viele Einbußen gibt, dass die Leute nicht auf den Berg dürfen. Wenn wirklich mal für die Ureinwohner und die Wahrung ihrer spirituellen Interessen entschieden worden ist, hat Australien vielleicht gar nicht so viel Angst vor Einbußen.

      Gefällt 1 Person

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